Samstag, 2. Juni 2018

Geständnisse von Kanae Minato

Inhalt

Die kleine Tochter der alleinerziehenden Lehrerin Moriguchi ist im Schulschwimmbad ertrunken. Ein tragischer Unfall, wie es scheint. Wenige Wochen später kündigt Moriguchi ihre Stelle an der Schule, doch zuvor will sie ihrer Klasse noch eine letzte Lektion mit auf den Weg geben. Denn sie weiß, dass ihre Schüler Schuld am Tod ihrer Tochter haben. Mit einer erschütternden Offenbarung setzt sie unter ihnen ein tödliches Drama um Schuld und Rache, um Gewalt und Wahnsinn in Gang, an dessen Ende keiner – weder Kind noch Erwachsener – ungeschoren davonkommt.


Meine Meinung

Kanae Minato erzählt in diesem Roman eine Geschichte, die sowohl fesselt als auch schockiert.

Im ersten Kapitel erklärt Moriguchi am letzten Schultag des Trimesters ihren Schülern, dass sie nach den Ferien nicht mehr zurückkommen wird. Schuld daran ist der Unfalltod ihrer Tochter. Anschließend offenbart sie, dass sie weiß, dass ihre Kleine eigentlich von zwei Schülern dieser Klasse ermordet wurde. Und auch wenn sie keine Namen nennt, so wissen aufgrund der Schilderung alle anderen, wer gemeint ist.

Es folgen vier weitere Kapitel, in denen jeweils aus der Perspektive einer Person erzählt wird, was seiner Meinung nach passiert ist und wozu das alles im Anschluss noch führt. Die tragenden Stimmen sind hier die Klassensprecherin Mizuki, die beiden Beschuldigten Shuya und Naoki sowie Naokis Mutter und Schwester. Das sechste und letzte Kapitel wird dann schließlich wieder aus Moriguchis Sicht erzählt. Durch diese verschiedenen Blickwinkel erfährt der Leser, was tatsächlich alles passiert ist und warum.

Jeder dieser Charaktere offenbart dem Leser auf seine eigene Art immer neue Abgründe und wirft ein etwas anderes Licht auf die Geschehnisse. Und dabei fragt man sich immer wieder, wie es nur so weit kommen kann. Jede der Figuren hat ihre ganz eigene Motivation, die sie zu dem Verhalten bringt. Und nicht nur einmal würde man gerne eingreifen und diesen Menschen sagen, dass die Meinung anderer nicht mal andeutungsweise so viel wert sein sollte, wie das eigene Glück.

Ständig stellte ich mir beim Lesen die Frage, ob diese Denkweise tatsächlich typisch für die Japaner ist. Denn eines ist klar, hätte diese Geschichte in Europa oder Amerika gespielt, hätte ich sie für mehr als unglaubwürdig gehalten.  Abgesehen davon befasst sich dieser Roman, neben dem offensichtlichen - Rachsucht, auch mit Themen wie dysfunktionalen Familien, der Angst vor dem Tod und dem Wunsch nach Anerkennung. Nebenbei drängt sich auch noch die Frage auf, inwieweit die Täter hier eigentlich selbst auch Opfer waren.

Opfer des vorherrschenden Erfolgsdrucks jedenfalls bestimmt. Denn besieht man sich die extreme Leistungsorientiertheit der japanischen Kultur, dann ist klar, dass dies irgendwann kippen muss. Dies zeichnet sich bereits durch die steigende Zahl der Hikikomori, der Aussteiger, ab. Vielleicht können jedoch Bücher wie dieses dazu beitragen, die Gesellschaft vor dem Kollaps durch immer höhere Erwartungen zu bewahren.  Das Ende fand ich dann trotzdem etwas übertrieben.


Mein Fazit

Ein durchaus interessanter Roman, bei dem man sich jedoch erstmal auf die Denkweise der Japaner einlassen muss.




Gesamtbewertung ★★★✰✰

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