Samstag, 21. April 2018

Interview mit Meredith Winter alias Natascha Wahl

Ich hatte ja das Glück, Testleserin für das neue Buch von Meredith Winter alias Natascha Wahl zu sein. Dadurch konnte ich diesen Roman über einen Teil seiner Entstehung begleiten und währenddessen schon meine Meinung dazu kundtun, was für mich eine ganz besondere Erfahrung war. Als ich dann nach Fertigstellung des Romans schließlich das E-Book bekommen habe und die Erwähnung meiner Wenigkeit in den Danksagungen lesen durfte, war ich mehr als gerührt. „Höhenrauschsaison“ ist am 16. April als E-Book erschienen und die Print-Version folgt am 25. April. Nun hat sich die wunderbare Natascha erneut zu einem Interview mit mir bereiterklärt.

Hallo Natascha, danke dass du dir Zeit nimmst für ein Interview mit mir. Dein neuestes Buch „Höhenrauschsaison“ ist gerade erschienen. Wie kamst du auf die Idee den Großteil der Handlung auf dem Mount Everest stattfinden zu lassen und wie schwer war für dich die Umsetzung dieser Idee? Immerhin ist man dann ja doch recht eingeschränkt, wenn es um mögliche Entwicklungen der Handlung geht.

Auf die Idee bin ich durch den 2015 produzierten Film „Everest“ mit Jake Gylenhall gekommen. Die Szene, in der sich Rob Hall per Satellitentelefon von seiner hochschwangeren Frau verabschiedet, weil das Team nicht in der Lage war, ihn aus der 8750 Meter hohen Todeszone zu retten, hat mich tief berührt. Ebenso fand ich es faszinierend, dass es im Basislager eine Ärztin gibt, die sich um die Verletzten und Höhenkranken kümmert.
Schwer war weniger die Umsetzung, als die Recherche. Eingeschränkt habe ich mich zu keiner Sekunde gefühlt, da Nepal, die Kultur, die Menschen so faszinierend, herzlich und schön sind, dass ich mich eher wie auf einer abenteuerlichen Reise gefühlt habe.

Auch in diesem Buch kommt eindeutig wieder deine Vorliebe für gegensätzliche Paare zum Vorschein. Die deutsche Ärztin und der russische Auftragsmörder. Was hat für dich den Reiz ausgemacht, diese beiden aufeinander treffen zu lassen?

Wie auch in „Blutpsalm“ & „Blutroter Frost“ macht für mich den Reiz aus, dass sich Menschen von außen betrachtet vielleicht in Schubladen stecken lassen, jedoch der Schein dabei ganz gewaltig trügt.  Clementine rettet Leben - Alexej nimmt Leben - was könnten diese beiden Menschen also großartig gemeinsam haben? Die Antwort ist: Jeder ist auf seine Art „verloren“ - und letztendlich wollen sie dasselbe: „Ankommen!“ - Ich will den Lesern damit zeigen: Hey, auch der Nerd mit der Hornbrille kann Dein Seelenverwandter sein, Du musst nur hinter die Fassade gucken. Auch wenn ihr auf den ersten Blick nichts gemeinsam habt, euch verbindet vielleicht großartiges.

Dies ist ja nun schon das dritte Buch, das ich von dir gelesen habe und bisher war die weibliche Protagonistin immer im medizinischen Bereich tätig. Woher kommt diese Neigung und wieviel Recherche steckt hinter den Details der damit verbundenen Szenen?

Diese Neigung? Hahahahah. Keine Ahnung. Durch meine zu spät entdeckte Herzerkrankung habe ich als Kind viel Zeit in Krankenhäusern verbracht. Das prägt. Medizin - besonders Anästhesie, Notfall- und Intensivmedizin - ist inzwischen eine Art Hobby von mir geworden. Ich übe dieses Hobby nicht aus - Hahahah - wüsste aber trotzdem was man z.B. im Falle eines Pneumothorax tun müsste, weswegen die Recherche in „Höhenrauschsaison“ ausblieb. Das Meiste gehörte quasi zu meinem Basiswissen.

Warum hast du dich für ein derartiges Ende in Bezug auf Eva und Dimitri entschieden? Könnte hier eventuell auch eine Fortsetzung folgen?

Sehr gute Frage. Ich mag in meinen Romanen vielleicht etwas wie ein Gott für meine Figuren sein, jedoch kann ich sie nicht alle sterben lassen, das wäre unrealistisch. Und wenn genug Leser eine Fortsetzung fordern, schreib ich vielleicht eine ;-)

Du hattest ja bei dem Roman drei unabhängige Testleser. Das hat mich insofern etwas überrascht, da ich irgendwann mal ein Interview mit dir gelesen habe, indem du sagst, dass deine Bücher niemand lesen darf, bevor sie fertig sind. Wie kam es dazu, dass du deine Meinung geändert hast? Und wie war es für dich, schon während des laufenden Schreibprozesses Meinungen zur Geschichte zu lesen? Haben diese die Handlung beeinflusst? Ist das etwas, dass du auch bei zukünftigen Büchern wieder machen möchtest?

Mit „Niemand“ meinte ich mir nahestehende Personen. Okay, erwischt. 😉
Tatsächlich war ich bei diesem Roman sehr unsicher, wie er ankommen würde und ob sich die Leser für diese Thematik überhaupt interessieren. Hinzu kommt - und das war das Ausschlaggebende - dass ich zum ersten Mal in der „Ich Form“ und im Präsens geschrieben habe. Was im übrigen schweineschwer war und ich nieeeee wieder tun werde. Die Testleser waren mir deshalb eine sehr große Hilfe und haben mich insofern beeinflusst, dass sie mich ab und an darauf hingewiesen haben, dass ergänzende Erklärungen bzw. Szenen fehlen. Als Autor ist man oft „betriebsblind“ und vergisst allzu schnell, dass die Leser nicht das Hintergrundwissen über die Figuren haben, wie man selbst.  Und jaaaaaa, diese drei Testleser werden auch bei meinem nächsten Buch wieder dabei sein. (Hoffentlich!)

Also ich werde mich gerne wieder zur Verfügung stellen.
Ich habe gesehen, dass bereits die Erscheinungstermine für 4 weitere Bücher von dir bekannt sind. „Negerkuss“ soll noch heuer im Oktober erscheinen. „Todespirouette“, „Blut & Schokolade“ und „Selbst tot bist du schön“ sollen jeweils im Abstand von einem weiteren halben Jahr folgen.  Ein ehrgeiziger Zeitplan. Kannst du schon ein bisschen was dazu sagen?

Mit „Negerkuss“ erhoffe ich mir so ein bisschen meinen Durchbruch, weil das Thema Flüchtlingspolitik momentan sehr aktuell ist. Des Weiteren bin ich gespannt auf die Reaktionen zu dem bösen Unwort sowie dem Cover, dass ja mit Absicht provozierend gewählt wurde. Ich glaube, dass die Leute mich deswegen auch schnell in eine Schublade stecken werden, was albern ist, da mein Vater 1945 selbst ein Flüchtling war, mein Exmann aus Moskau kommt (Nein, er hieß nicht Alexej) und ich selbst im Ausländerviertel wohne.
„Blut & Schokolade“ wird Waffen in den USA sowie Amokläufe thematisieren. Und auch eine Lehrer-Schüler-Liebe kommt darin vor. Sehr heißes Eisen also.
„Selbst tot bist Du schön“ - wird mein erster Ausflug in das Gay-Genre werden, was sicherlich ebenso spannend wird.
„Todespiroutte“ entführt uns in die Welt des Balletts und der klassischen Musik, natürlich nicht ohne mörderischen Elemente.
Ich habe also viel vor und große Pläne!

Du bist ja neben deiner Arbeit als Autorin auch noch Verlagsbesitzerin. Wie sieht bei dir ein typischer Arbeitstag aus?

Vormittags Recherche, schreiben, PR, Kontakte zu Lesern und Bloggern pflegen. Und ab 14 Uhr wenn die Kinder aus der Schule kommen der ganz normaler Alltag einer alleinerziehenden Mutter. Haushalt und Kinder bespaßen. 😊 

Wenn du eine Stunde mit einer berühmten Person deiner Wahl verbringen könntest – unabhängig davon ob die Person noch am Leben ist – wer wäre das und warum?

Jane Austen – damit sie mir Tipps in Sache Liebe gibt. Zu der damaligen Zeit lag noch so viel Eleganz, Höflichkeit und Ernsthaftigkeit im Umgang miteinander, dass es mich brennend interessieren würde, was sie zu unseren heuten Zuständen sagen würde. Und natürlich ist sie mein großes Vorbild was den Schreibstil angeht. Ich liebe ihren Hang zur Sorgfältigkeit und ihrem Detailreichtum.

Im ersten Interview mit mir hast du ja erwähnt, dass Netflix quasi dein bester Freund ist. Was streamst du aktuell und was würdest du deinen Lesern empfehlen?

Aktuell habe ich ganz frisch mit der Serie „The Big Bang Theory“ angefangen. Und ich gebe es zu: Ich finde mich ein bisschen in Sheldon wieder - beängstigend, oder?  Meine Schwester meinte einmal zu mir - ich glaube es war im Zusammenhang mit meiner Besteckschublade - „Du bist wie Sheldon!“  Da musste ich mir die Serie doch mal angucken. 😉 Empfehlen möchte ich UNBEDINGT den türkischen Film: „Sadece Sen“ - wer die Art meiner Bücher mag, wird den Film lieben. Genauso wie: „When we first met“. Bei den Serien sind es: „You me her“, „Hannibal“ und „Rectify“

Welche Städte bzw. Länder möchtest du auf jeden Fall bereisen?

Hier meine TOP 5
1. „Kailua Kona - Hawaii“
2. „Baros - Malediven“
3. „Negril - Jamaica“
4. „Virgin Gorda - Britische Jungferninseln“
5. „Cayo Largo del Sur - Kuba“

Gibt es etwas, dass du deinen Lesern gerne mal sagen würdest?

Legt mal öfter Euer Handy weg und lebt im Hier und Jetzt.
Ach ja und Hakuna Matata 😊 

Vielen Dank, dass du dir wieder Zeit für mich genommen hast. Noch alles Gute mit deinen zukünftigen Projekten.

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