Sonntag, 3. September 2017

Interview mit Natascha Wahl alias Meredith Winter

Natascha Wahl

Nachdem ich kürzlich von der Autorin Meredith Winter um die Rezension ihres Buchs "Blutpsalm" gebeten wurde, musste ich die Chance einfach nutzen und sie um ein Interview bitten. Für alle die es nicht wissen: Mrs. Winter heißt eigentlich Natascha Wahl und ist nicht nur Autorin, sondern auch Verlagsgründerin des Sommerburg Verlages. Außerdem hat sie 3 Kinder und hat somit jede Menge zu tun. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass sie sich kurz Zeit für dieses Interview genommen hat.


Hallo Natascha, danke dass du dir heute Zeit für mich nimmst.
Ich habe ja gerade dein Buch "Blutpsalm" gelesen und fand es wirklich gut. Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Pastor und eine Prostituierte zusammenzubringen?

Das ist eine wirklich interessante Frage. Ich habe generell eine Schwäche für gegensätzliche Charaktere und Paare bei denen man auf den ersten Blick denkt, sie würden nicht zusammenpassen und hätten keine Gemeinsamkeiten. Und genau das ist auch bei einem Pastor und einer Prostituierten der Fall. Das reizvolle für mich an dieser Konstellation war zu zeigen, dass zwei so unterschiedliche Charaktere trotzdem seelenverwandt sein können.
 
Auf jeden Fall war das eine innovative Idee. Hast du gleich gewusst wie sich die Beziehung zwischen Marlene und Jonathan entwickeln soll, oder hat sich das im Laufe der Geschichte so ergeben?
 
Also das ist für mich ja das witzige. Ich weiß vorher eigentlich nie, was passieren wird. Ich hatte zwar die Grundidee einen Pastor auf eine Prostituierte treffen zu lassen und ich wusste, dass das Buch gut enden soll, aber die Entwicklungen dazwischen passieren dann ganz spontan. Fast so als würden die Figuren mich führen und nicht umgekehrt. Das mag vielleicht etwas verrückt klingen, aber wenn ich schreibe fühlt es sich für mich so an, als würde mir jemand diese Geschichten zuflüstern und ich würde das gehörte nur aufschreiben.

Also verrückt klingt das für mich jetzt nicht, eher als hättest du eine Muse.

Danke 😊

Das heißt für dich als Autorin ist ein Happy End für deine Charaktere wichtig?

Auf jeden Fall. Bücher sollen ja grundsätzlich unterhalten und von dieser stressigen Welt und unserem Alltag ablenken. Ich finde es daher schade und etwas unfair, wenn manche Leser bei Büchern kritisieren, dass es nicht realistisch ist. Natürlich recherchiere ich sehr viel und möchte alles ganz genau beschreiben, wenn es beispielsweise um medizinische Details geht.
Ich finde aber das genau das das Schöne an einem Buch ist, wenn es um Liebe auf den ersten Blick geht oder das der Mörder in "Blutpsalm" jemand auf dem Weihnachtsmarkt einfach so ermorden konnte, fast wie ein Ninja-Kämpfer. Bücher lassen uns Sachen erleben, die wir im normalen Leben nicht erleben. Das alles ist dann eben möglich und auf jeden Fall kann es immer ein Happy End geben. Auch wenn es in der Realität nicht immer so ist, in meinen Büchern ist es möglich.

Du kombinierst in deinem Buch Thriller und Liebesgeschichte. Was ist für dich daran das Schwierigste?

Also tatsächlich ist es sehr schwierig, die richtige Mischung und das richtige Tempo zu finden. In meinem ersten Buch "Blutroter Frost" habe ich es so gelöst, dass sich die Spannung bis zum großen Showdown erst allmählich aufbaut, während ich in meinem zweiten Buch "Blutpsalm" gleich von Anfang an den Spannungsbogen hochgehalten und dann versucht habe, diesen beizubehalten.
Was für mich das Schwierigste ist, ist das ein Ladythriller weder ein klassischer Thriller oder Krimi ist, noch eine klassische Liebesgeschichte. Bei "Blutpslam" wird oft kritisiert, dass man schon ab der Hälfte des Buchs weiß, wer der Mörder ist. Das erfährt man bei einem Krimi immer erst am Ende und bei einem Thriller weiß man es mitunter viel früher, fiebert jedoch mit den Protagonisten mit. Und ich glaube, da meine Bücher keinem klassischen Genre zugeordnet werden können, ist es mitunter etwas verwirrend für meine Leser, worauf sie sich mit dem Buch einlassen.
Bei meinen Büchern ist eben von allem etwas drin und das macht es dann besonders schwer für mich, diesen Genre-Liebhabern gerecht zu werden.

Also ich persönlich bin ja ein großer Fan von Genre-Mischungen, weil dann eben viel mehr Möglichkeiten bestehen, wie sich die Handlung entwickeln kann.
Wie sieht dein Arbeitsplatz aus und was darf dir beim Schreiben auf keinen Fall fehlen?

Also mein Arbeitsplatz ist eigentlich mein Laptop und solange ich den habe, kann ich eigentlich überall schreiben. Egal ob am Küchentisch, im Bett, auf dem Sofa, im Café oder auf einer Wiese…
Was ich unbedingt immer brauche ist Ruhe. Und da ich ja drei Kinder habe, hab ich die meistens natürlich nur dann, wenn sie in der Schule oder im Kindergarten sind.

Wie war es für dich, das erste Exemplar deines ersten eigenen Buchs in den Händen zu halten?

Oh, das ist jetzt wahrscheinlich nicht die Antwort die man erwartet, aber tatsächlich hatte ich Angst. Mir ging durch den Kopf, dass das jetzt auch Leute lesen, die mich kennen, Nachbarn, Lehrer, mein Vater. Ich war also eigentlich peinlich berührt.

Das überrascht mich auf jeden Fall.
Wann wird dein nächstes Buch "Höhenrauschsaison" erscheinen und gibt es noch weitere Buchprojekte, an denen du gerade arbeitest?

"Höhenrauschsaison" wird pünktlich zum Start der Mount-Everest-Saison im April kommen. Ich hab noch ganz viele Titel und Geschichten im Kopf und ich kann vorab mal so viel verraten: das vierte Buch wird "Trotzdem irgendwie" heißen und es wird um Lehrer gehen. Mehr verrate ich dazu noch nicht.

Dein Debütroman "Laterne im Schneesturm" erschien im Ecrilis Verlag noch unter deinem eigenen Namen. Wie kam es dazu, dass du nun unter dem Pseudonym Meredith Winter schreibst?

Das war eher unfreiwillig. Nachdem mein Buch im März 2016 herausgekommen war, verstarb im September der Verlagschef und da dessen Familie wohl etwas überfordert mit dem Geschäft war, wurde der Verlag mehr oder weniger aufgelöst. Da es jedoch kein offizielles Schreiben dazu gab und ich noch immer als Autorin bei Ihnen gelistet bin, war dies die einzige Möglichkeit, um meine Bücher weiter veröffentlichen zu können.

Du hast ja im Zuge dessen auch deinen eigenen Verlag gegründet. Wie war das für dich und würdest du es nochmal machen, wenn du die Vergangenheit verändern könntest?

Ja, das ist natürlich schon etwas ganz anderes als nur Autor zu sein und sich nur auf das Schreiben zu konzentrieren. Die Sache mit dem Verlag bedeutet viel mehr organisatorische Aufgaben, angefangen beim Gewerbe anmelden und Logo erstellen. Auch das Marketing liegt jetzt ganz an mir selbst. Ich würde es aber jederzeit wieder so machen. Ich denke ich bin trotz mancher Fehler auf einem guten Weg, und ich bin neugierig wo mich dieser Weg noch hinführen wird.

Was machst du in deiner offenbar doch recht stark begrenzten Freizeit?

In meiner Freizeit lese ich natürlich selbst sehr gerne und viel, außerdem bin ich ein großer Serien- und Filmjunkie. Netflix ist quais mein bester Freund. Ich mache auch Musik. Eigentlich war das in meiner Jugend mein Plan A. Ich wollte selbst Singer/Songwriter im Irisch-Keltischen Songbereich sein. Das hat nicht geklappt und deswegen bin ich jetzt Autorin.

Jedenfalls eine positive Wendung für deine Leser. Hast du ein Lieblingsbuch und wenn ja welches?

Lieblingsbücher habe ich ein paar verschiedene.
Da wäre mal "Aschenpummel" von Nora Miedler. Schon der Titel brachte mich zum Lachen und das hat auch nicht aufgehört, als ich das Buch gelesen habe, es ist unglaublich witzig, skurril und unterhaltsam. Ich würde es sogar als deutsche Bridget Jones beschreiben.
Dann wäre da noch "Schiwas Perlen" von Harriet Graham. Das ist eigentlich ein Kinderbuch, das ich damals mit 9 Jahren bekommen habe, aber ich lese es auch heute noch gerne, da es für ein Kinderbuch sehr spannend ist und ich würde es eher als Kinderthriller bezeichnen.
Und last but not least das Buch "Er steht einfach nicht auf dich" von Greg Behrendt und Liz Tuccillo, Es ist für mich die Bibel für Single Frauen. Ja, er steht eben nicht auf dich wenn er nicht anruft oder dich nicht heiraten will.
Das klingt jedenfalls nach einer sehr bunten Mischung. Was guckst du gerade auf Netflix?

Oh Netflix (lacht) also vor kurzem habe ich die Serie Hannibal geschaut (die Serie zu allen vier Teilen des Schriftstellers Thomas Harris). Die Serie hatte ich mir ja so ähnlich wie Dexter vorgestellt. Allerdings kannte ich natürlich vorher schon die Bücher. Naja, also Hannibal ist ganz bestimmt nicht wie Dexter. Es ist auch wirklich erst ab 18 Jahren. Es ist schon sehr verstörend und nach jeder Folge musste ich dann erstmal eine Folge Friends gucken um irgendwie diese Bilder aus meinem Kopf zu bekommen.
Momentan schaue ich mir die Serie Helix an. Da geht es um eine Gruppe von Wissenschaftlern die in einer Forschungsstation in der Arktis gegen einen Zobmie-Virus kämpfen.
Und ansonsten schaue ich dann auch einfach mal ein bisschen leichte Kost zum Entspannen. Wie zum Beispiel Friends, oder Full House.

Danke für den Einblick in dein Leben. Ich wünsche dir noch viel Erfolg mit all deinen Projekten.

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