Dienstag, 11. Juni 2019

Catch me, Baby - falls du es kannst ... von Vittoria C. Angeli


Inhalt
Vittoria C. Angeli

»Ich sehe in deinen Augen, dass du bereit für alles bist, was ich mit dir liebend gerne anstellen würde.«
Dachtest du, dass alles in deinem Leben ruhig verläuft? Dachtest du, dass ich nicht auf dich aufmerksam werde? Du hast dich geirrt.
Mein Jagdinstinkt ist geweckt. Du bist einzigartig mit deiner provozierenden Art. Ich will dich für mich und ich werde meinen Willen bekommen. Ob du willst oder nicht.
Sky, du gehörst mir. Du weißt es nur noch nicht.
Düster. Heiß. Provozierend.


Meine Meinung

Puh, dieser Romancethrill von Vittoria C. Angeli war schon eine Erfahrung für sich. Ich möchte hier mal anmerken, dass ich das Buch bei der Autorin als Rezensionsexemplar angefragt hatte, da sich die Inhaltsangabe sehr vielversprechend las. Und die entspricht durchaus dem Inhalt – eigentlich. Aber nur mit diesem Klappentext hatte ich eigentlich trotzdem ein ganz anderes Buch erwartet. Ich dachte es würde auf eine Geschichte mit einem gefährlichen Stalker hinauslaufen. Das war dann aber definitiv nicht der Fall.

Jetzt kann man mal davon ausgehen, dass Erwartungshaltung und die Realität der Handlung erstmal hart aufeinanderprallten. Bei Kapitel 1 dachte ich mir – dieser Jayden, dass muss wohl dann der Stalker sein. Und als dann Kapitel 2 begann hielt ich Skyla für sein auserkorenes Opfer. Und dann ging es erstmal ein paar Seiten weiter, ohne dass ich meine Erwartung hinterfragt sah. Als Skyla ihn dann auch noch abservierte, dachte ich, jetzt geht’s dann gleich so richtig los und sie ist bald in Gefahr.

Achtung: Spoiler! Wer das Buch noch lesen will, sollte den nächsten Absatz überspringen.
Aber erstmal passierte dann nichts in dieser Richtung. Nachdem die beiden dann schließlich bei der Vernissage ihrer Bilder Sex hatten, dachte ich mir nochmal – jetzt ist es dann so weit. Und die Spannung war regelrecht greifbar als er sie quasi in seine Wohnung entführte. Und dann passiert nichts! Zumindest nicht in Richtung Stalking. Und so langsam dämmerte mir, dass dieses Buch wohl doch etwas anderes war, als ich angenommen hatte. In Wahrheit waren Jayden und Skyla nämlich dabei sich zu verlieben – eine epische Liebesgeschichte mit vielen Intrigen von außen und Geheimnissen zwischen den beiden war im Entstehen.

Und ich muss schon sagen – die Handlung des Buches ist gut. Die Geschichte ist halbwegs originell und die vielen Geheimnisse, die im Hintergrund schwelen sorgen für eine gewisse Spannung und Neugierde, wie es denn weitergehen wird. ABER: die Charaktere wollen irgendwie nicht so recht zur Geschichte passen.

Jayden war mir gleich von der ersten Seite an unsympathisch, da er einerseits wahnsinnig in sich selbst verliebt erscheint während er gleichzeitig angibt, wie reich er finanziell ist und wie arm er doch emotional ist und wie leer sich sein scheinbar perfektes Leben anfühlt. Andererseits liegt er in dem Moment mit einer Frau im Bett, deren Namen er nicht weiß und von der er sich doch nur sehnlichst den Fick wünscht, der ihm zusteht. Denn laut seinem Denken sind alle Frauen „heiße, willige Schlampen, die ihm mehr als bereitwillig seinen Fick geben“. Was soll ich noch dazu sagen. Ich bin eine Frau und ich schätze es nicht, wenn ein Mann so etwas denkt – auch wenn es ein fiktiver ist. Und da hilft es dann auch nicht besonders viel, wenn er sich dann unsterblich in diese eine Frau verliebt!

Die Protagonistin Skyla fand ich anfangs auch nicht gerade besser, da sie mit ihrer derben Art irgendwie nervt. Fluchen ist ja ok, aber wenn die Worte Scheiße und Fuck inflationär verwendet werden, dann kann ich daran echt nichts interessantes mehr finden. Ab und an, an der richtigen Stelle verwendet, kann das durchaus für das gewisse Extra sorgen, aber so wirkt es fast nur noch wie eine billige Möglichkeit auf eine höhere Seitenzahl zu kommen. Wobei ich sagen muss, dass dies im Verlauf des Buches besser wird – oder ist es mir dann nur nicht mehr aufgefallen? Ich bin nicht sicher.

Insgesamt bleiben die beiden Protagonisten recht undurchsichtig. Es wird erwähnt, dass Jayden eine dunkle Vergangenheit hat, aber so richtig darauf eingegangen wird nicht. Auch eine schreckliche Erfahrung, die Skyla in L.A. gemacht hat wird erwähnt und dass Aiden etwas damit zu tun hatte, aber auch hier erfährt man nichts Näheres.

Und die Nebencharaktere bleiben ebenso farblos. Aiden führt definitiv Böses im Schilde – aber warum bleibt vorerst offen, ebenso wie die volle Tragweite seiner Pläne. Und dann wäre da auch noch Skyla´s Vater, der sie verheiraten will, um seine Firma zu retten? Was soll das? Warum verhält er sich seinem einzigen Kind gegenüber wie das größte Arschloch der Nation? Auch hier fehlen die Motive völlig. Dass viele Fragen offen bleiben, finde ich ja angesichts der angekündigten Fortsetzung noch in Ordnung, aber das keine einzige Frage in diesem Teil wirklich beantwortet wird, nervt dann doch etwas.

Und wenn wir gerade beim Thema nervig sind: Nervig waren vor allem die vielen Fehler – sowohl Rechtschreibung, Grammatik als auch Satzstellung betreffend – und der stümperhafte Buchsatz! Warum stümperhaft? Ganz einfach. Wenn man die gängige Form des Blocksatzes in einem Buch verwendet, dann sollte man auch die Silbentrennung aktivieren! Ansonsten kann es vorkommen, dass eine Zeile nur aus ein paar Wörtern mit großen Abständen dazwischen besteht – immerhin bietet ja ein eBook für den Leser den Vorteil die Schriftgröße selbst zu bestimmen. Manche lesen dann auf E-Readern, andere, wie ich zum Beispiel auf dem Handy. Und da ergab sich schon auf Seite zwei für mich folgendes unschönes Bild:
     Ein wenig erschreckte ich mich, da die ganze
Wimperntusche           ihr           in        Schlieren
heruntergeronnen war.

Sieht furchtbar aus, nicht wahr? Und ich habe im weiteren Verlauf des Buches darauf geachtet. Es ist mir kein einziges Mal aufgefallen, dass Wörter abgetrennt waren. Und diese optische Störung des Lesegenusses kam immer wieder vor – und zwar ganz egal mit welcher Schriftgröße ich weitergelesen habe.

Im Impressum wird auch die Lektorin erwähnt und so habe ich mir deren Homepage auch mal angesehen. Bei der länge dieses Buchs, hat sie grob gerechnet zwischen € 600,-- und € 1.300,-- an diesem Buch verdient. Da sie allerdings nur ein einmaliges Lektorat anbietet – also ohne Wiederholungslesen nach eventuellen Änderungen – ist es nicht ganz klar, in welchem Stadium sie das Buch lektoriert hat. Falls dies jedoch in der letzten Version war, dann sollte die Autorin ihr Geld zurückverlangen! Immerhin rühmt sich die Lektorin mit einem Quasi-Bachelor in Germanistik und weist gesondert darauf hin, dass sie ein besonderes Augenmerk auf die Entfernung unnötiger Wortwiederholungen legt. Wobei dieser Satz aus dem Buch (bei mir Seite 196 von 214) eine deutlich andere Sprache spricht:
                „Einen Moment, ich sehe sie im Moment nicht.“
Was wäre so schwer gewesen, dies umzuformulieren. Es würde sich etwa anbieten: „Einen Moment, ich sehe sie gerade nicht.“ Oder. „Einen Augenblick, ich sehe sie im Moment nicht.“ Dabei handelt es sich wohl kaum um eine Wissenschaft, für die man irgendeine Form von Germanistik-Abschluss braucht, um dies zu erkennen.

Außerdem war auch der Eine oder Andere Logikfehler für mich ein Dorn im Auge. Wie etwa der, wo Skyla Jayden sagt, sie habe ihren Wohnungsschlüssel im Club liegen lassen und als sie am nächsten Morgen von seiner Wohnung zu ihrer geht, und dann ganz einfach aufschließt. Wo kommt denn der Schlüssel so plötzlich her?


Mein Fazit

Catch me, Baby – falls du kannst… von Vittoria C. Angeli wartet mit einer interessanten Geschichte auf, die jedoch so von Fehlern durchzogen ist, dass ich mich abschnittsweise kaum auf die Handlung konzentrieren konnte. Das Lesen des Buches kann ich nur empfehlen, wenn das Buch nochmal eine Vernünftige Korrektur durchläuft.




Gesamtbewertung ★★✰✰✰

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