Montag, 3. Dezember 2018

Interview mit Natascha Wahl anlässlich ihres neuen Buchs "Negerkuss"

Meredith WinterHallo Natascha, danke dass du dir heute für mich Zeit nimmst. Dein neuestes Buch „Negerkuss“ ist ja gerade vor ein paar Tagen erschienen - wie auch die letzten schon unter dem Namen Meredith Winter. Wie wäre es, wenn du meinen Lesern mal schilderst, worum es in dem Buch geht?

Es geht um einen Nationalisten der deutlich „rechts“ gesinnt ist, der sich wider Erwarten in die Flüchtlingsfrau Sakita verliebt, welche aus Nigeria stammt und zusammen mit ihrem Bruder Kio sowie weiteren Flüchtlinge in sein Dörfchen „Sommerburg“ einkehren.
 
 
Was hat dich dazu bewogen, die Handlung deines neuen Buchs in diesem Milieu spielen zu lassen und wie geht es dir jetzt mit diesem polarisierenden Thema?

Wie meine Leser wissen, schreibe ich gerne Geschichten, die von ungewöhnlichen Pärchen-Konstellationen handeln. Ich hatte mich schon länger gefragt, ob es, ähnlich wie in „Blutpsalm“, in dem es sich um einen Pastor und eine Prostituierte handelt oder in „Höhenrauschsaison“, wo ein Auftragskiller sich in sein Auftrag verliebt, auch hier möglich sein würde, dass Liebe jegliche Vorurteile und Widerstände überwindet.

Jedoch war es alles andere als einfach für mich, das Buch zu schreiben, da ich ein absolut unpolitischer Mensch bin und sogar noch nie in meinem Leben wählen war. (Ja, ich weiß: Schlimm) Ich hatte anfangs also nur grob Ahnung von dem Glaubenskrieg, der in Nigeria herrscht. Doch ich wusste sofort, dass es mein Ansinnen ist, beide Seiten so authentisch und glaubwürdig wie möglich darzustellen. Was mir hoffentlich gelungen ist ;)

Sakitas Seite, also die der Flüchtlinge hat mich sehr berührt. Nach den ganzen, für die Geschichte angesehenen, Reportagen und Dokumentationen musste ich mich oft ablenken, um die schrecklichen Bilder aus meinem Kopf zu bekommen. Besonders die der Leichen, die an den Strand gespült wurden und wo manchmal nur noch ein Arm aus dem nassen Sand ragte. Des Weiteren hatte ich die Gelegenheit eine Initiative zu besuchen, die Flüchtlingen den Start im neuen Land ermöglicht.

Aber auch Frederiks Seite habe ich gewissenhaft studiert, da ich kein Bild eines Klischee - „Nazis“ mit Glatze, Hakenkreuz und Springerstiefeln zeichnen wollte.  Aber dank der Offenheit und Freundlichkeit von dem NPD- Parteivorsitzenden Frank Franz, der mich dazu mit vielen Informationen versorgt hat, ist es mir hoffentlich ebenso gut gelungen, ihn so authentisch wie Sakita darzustellen.


Es gibt ja wegen des Covers und des Titels bereits von mehreren Seiten Vorwürfe, dass dies rassistisch sei. Wie stehst du zu diesen Vorwürfen und was möchtest du den Menschen mitgeben, die diese gegen dich erheben?

Der Shitstorm der mich wegen des Covers erreichte, hat mich mehr als überrascht. Klar hatte ich mit etwas Unmut wegen des nicht mehr zeitgemäßen Worts für „Schaumkuss“ gerechnet. Doch vertraute ich darauf, dass die Leser das Wortspiel, die Ironie hinter dem Titel verstehen würden, da es ja die Thematik des Buches sowie den aktuellen Zeitgeist der, zeitweise schon als heuchlerisch empfundenen, Political Correctness darstellen sollte. Und schließlich ist Kunst ja genau dafür da, um zu polarisieren.

Doch als behauptet wurde, das K von Kuss wäre ein Hakenkreuz, war das der Startschuss für immer weitere haarsträubendere Unterstellungen. Am Ende hieß es, ich wäre selbst ein Nazi, eine Rassistin und würde all diejenigen, die gegen mich und das Cover wären, anrufen und beleidigen. Es wurde quasi zum Boykott gegen mich und meinen Verlag aufgerufen. Es entwickelte sich eine regelrechte Hetze. Eine Bloggerin schmiss sogar all meine Bücher in den Müll, die sie vorher mit 5 Sternen bewertet hatte, weil sie keine Bücher von „rechten“ Autorinnen in ihrem Regal haben will.

In einer Nacht- und Nebel Aktion änderten wir dann das Cover, damit die Unterstellungen bezüglich Hakenkreuz und dem SS- Symbol aufhörten, doch selbst als wir um den politischen Zeitgeist nochmal zu verstärken, das böse „N-Wort“ durchstrichen“ und oben drüber „Schaum“ schrieben, schaukelten die Leute sich weiter gegenseitig hoch und legten die komplette Geschichte der Sklaverei in dieses eine winzige Wort, welches in dem Kontext wie ich es verwendet habe, (meiner Meinung nach) alles andere als rassistisch ist. Zumal dies nie mein Anliegen war. Ich meine, Hey - meine Kinder sind zur Hälfte Russen. Wie könnte ich? 

Und das Irrwitzige ist: Keiner von denen hat das Buch gelesen! Also erstmal schön nach dem Äußeren geurteilt, was für mich genauso diskriminierend ist.


Du hast ja im Februar eine Lesung aus deinem letzten Buch „Höhenrauschsaison“ geplant. Hier die Details dazu. Wie kommt es, dass du dich hier nicht für das aktuelle Buch entschieden hast und sind noch weitere Termine geplant?

Oh, ich glaube mit dem aktuellen Buch könnte ich mich nur mit einem Bodyguard zur Lesung trauen. *lach*
Nein, Scherz beiseite: Der Termin wurde gemacht, als ich damals gerade mit der Promo für Höhenrauschsaison beschäftigt war.  Also sehr weit im Voraus. Was ich nicht schlimm finde, da mir jedes meiner Bücher am Herzen liegt. Weitere Termine sind gerade in Planung und werden sofort auf der Verlagsseite angekündigt, sobald sie fix sind.


Darf man denn dann auch auf Termine in Österreich hoffen?

Immer gerne, wenn mir jemand seine Couch zum Übernachten zur Verfügung stellt. *lach*


Wirft man einen Blick in die Verlagsvorschauen, findet man bereits 4 weitere angekündigte Titel von dir. Kannst du denn schon ein bisschen was zu deinem nächsten Buch verraten?

Gott sei Dank, keine politische Thematik. *lach*
Es geht um die junge Ballerina Katharina, die den Traum hat, als Spitzensolistin in der Hamburger Staatsoper zu tanzen. Sie ist heimlich in ihren Ballettlehrer Mischa verliebt, der ihre Zuneigung jedoch ausnutzt und sie schließlich sogar brutal vergewaltigt.

15 Jahre später ist Katharina durch die traumatische Erfahrung Klavierlehrerin geworden und trifft erneut auf Mischa, da er der Vater eines ihrer Klavierschüler ist. Doch Mischa hat sein Gedächtnis verloren und erinnert sich nicht mehr an die Vergewaltigung. Wird Katharina also Rache nehmen oder wird sie ihrem ehemaligen Peiniger sogar erneut verfallen? Ein gefährliches Katz - und Mausspiel beginnt. :)


Das klingt ja wieder sehr vielversprechend. Was würdest du als Schriftstellerin jungen, noch unveröffentlichten Autoren gerne mitgeben und was motiviert dich persönlich beim Schreiben?

Glaub an die Botschaft Deiner Geschichte! Daran, dass Deine Geschichte erzählt werden muss! Daran, dass sie in die Welt hinausgetragen werden soll! Denn genau dies treibt auch mich an! :)


Vielen Dank Natascha und Alles Gute!

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