Sonntag, 25. Februar 2018

Interview mit Elisabeth Marrion


Ein ganz besonderes Highlight in diesem, doch noch sehr jungem Jahr, war für mich das Buch „Mein Tanz mit Rommel“ und ich freue mich, euch heute ein Interview mit der Autorin Elisabeth Marrion posten zu können. Hier könnt ihr übrigens das Englische Original Interview lesen.

Hallo Elisabeth, zuerst möchte ich Ihnen danken, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen.
Kürzlich habe ich Ihr erste Buch „Mein Tanz mit Rommel“ gelesen und ich war begeistert. Es ist der erste Teil einer Trilogie und Sie erzählst darin vom Leben Ihrer Mutter. Am Ende verlassen wir sie in einer verheerenden Situation, daher ist meine erste Frage, ob wir in den anderen Büchern erfahren, wie ihr Leben weitergegangen ist.

Julia, ich bin es, die Ihnen für Ihr Interesse, Ihre Zeit und die freundlichen Worte zu meinem Buch danken muss.
Die anderen Bücher in dieser Familiensaga „Liverpool Connection“ und „Kuckucksuhr New York“ laufen parallel zu dem ersten Buch und spielen sich mehr oder weniger im gleichen Zeitraum ab, dem Zweiten Weltkrieg. Vor allem aber zeigen die Geschichten die unterschiedlichen Perspektiven von Familien auf der anderen Seite des Konflikts. Nachdem das gesagt ist, kann ich sagen, dass ich dann noch die Geschichte erzähle, wie meine Mutter meinen Vater getroffen hat, also gehen die Bücher ein bisschen weiter als das erste Buch.

Wie ist Ihre Mutter mit dem Verlust ihres ersten Ehemannes umgegangen und wie hat sich ihr Leben danach entwickelt?

Unmittelbar nach dem Ende des Krieges standen die Witwen in einem anhaltenden Kampf um das Wohl ihrer oft großen Familien, und ich glaube, sie hatte keine Zeit, über ihre Verluste nachzudenken. Das tägliche Überleben trieb sie an. Hildesheim wurde zerbombt und Unterkünfte waren schwer zu finden.
Außerdem war Deutschland natürlich aufgeteilt, und wir lebten in der britischen Besatzungszone. Seit einiger Zeit konnte man nicht mehr von einer Zone in die Andere reisen, das heißt, man konnte beispielsweise nicht von Frankfurt nach Hannover fahren. Das war nicht erlaubt. Dies zeigt das dritte Buch, Kuckucksuhr New York. Zu den ohnehin schon knappen Ressourcen kamen die Flüchtlinge aus dem Osten. Hildesheim war am Limit und man konnte nur dorthin umziehen, wenn man Verwandte in der Gegend hatte. Meine Mutter wurde zum Ziel vieler Menschen.

Wollten Sie diese Geschichte schon immer erzählen und wie hat Ihre Familie auf die Entscheidung reagiert, dieses Buch zu schreiben?

Ja, ich wollte die Geschichte meiner Mutter schon immer erzählen. Da ich ihr jüngstes Kind war, verbrachte sie viel Zeit mit mir hier in England und wir hatten Zeit, über ihr Leben zu reden. Meine Familie und ihre Freunde waren dagegen, dass ich diese Geschichte schreibe. Sie befürchteten, es wäre zu politisch. Aber als sie es schließlich lasen, liebten sie es und ihre Freunde erkannten zum ersten Mal, dass es einen menschlichen Aspekt hinter dem Wahnsinn gab. Vergessen Sie nicht, dass deutsche Menschen nicht über den Krieg sprechen, niemals. Es ist ein Tabuthema.

Sie wurden in Hildesheim in Deutschland geboren und Ihr Vater war Engländer. Ich habe mich gefragt, ob sich das auf Ihre Kindheit ausgewirkt hat. Wie war es zu dieser Zeit in so einer multikulturellen Familie zu leben?

Meine Güte. Ich war das Kind des Feindes! Nur der Schutz meiner Mutter und ihre großartige Familie und ihre Freunde machten es erträglich. Bei allen anderen waren wir unten durch, so einfach war das. Meine Mutter war mit einem deutschen Offizier verheiratet und hat dann ein Kind vom Feind bekommen. Mein Vater starb, als ich kaum gehen konnte.

Es tut mir leid das zu hören. Sie sind im Alter von 21 Jahren nach Großbritannien gezogen. Warum haben Sie das gemacht und warum haben Sie sich dazu entschlossen dort zu bleiben?

Nun, ich ging dorthin, weil ich dachte, es wäre eine gute Idee, wenn ich ein Jahr in England und ein Jahr in Frankreich verbringen würde, um meine Ausbildung zu verbessern. Dann fügte ich ein weiteres Jahr in England dazu und dann noch eines, dann traf ich meinen ersten Ehemann und blieb. Es war schwierig für meine Mutter, zu diesem Zeitpunkt zu akzeptieren, dass ich England als mein neues Zuhause ausgewählt habe. Im Laufe der Zeit begann sie es jedoch zu lieben und auch meine Brüder und Schwestern, Cousins ​​und Cousinen und Freunde lieben ihre häufigen Besuche hier.

Sie haben also noch Verwandte in Deutschland, mit denen Sie in Kontakt stehen.

Ja, alle meine Geschwister und Cousins ​​leben in Deutschland und Frankreich. Ich spreche täglich mit meiner Familie, es ist heutzutage so einfach mit der ganzen Technologie. Außerdem nutzen wir WhatsApp wie verrückt. Viele Bilder, ihr weißt wie das läuft. Ich sehe sie mehrmals im Jahr, entweder ich komme nach Deutschland oder sie kommen hierher, oder wir fahren zusammen weg, und wir haben auch Familientreffen.

Ihr erstes Buch wurde 2014 in Deutschland veröffentlicht. Die beiden anderen sind derzeit nur auf Englisch verfügbar. Gibt es einen Plan, ob und wann diese auch auf Deutsch veröffentlicht werden sollen?

Das zweite Buch „Liverpool Connection“ wird im Frühjahr / Sommer 2018 auf Deutsch erscheinen. Der deutsche Titel ist „Hoffnung Liverpool“. Das dritte wird im folgenden Jahr veröffentlicht.

Wie sieht Ihr Lieblingsort zum Schreiben aus und schreiben Sie am liebsten mit Musik im Hintergrund?

Ich schrieb immer in meiner Küche, so dass ich die Familie um 5 Uhr morgens nicht stören würde. Jetzt, wo ich allein bin, benutze ich das Büro. Ich schreibe immer bevor ich etwas anderes mache und genieße es, in Ruhe zu schreiben, ohne irgendwelche Ablenkungen.

Wie hat es sich angefühlt, Ihr erstes fertiges Buch in den Händen zu halten?

Oh, ich konnte es natürlich nicht glauben. Mein Buch gedruck. Wer könnte sich denn schon für das interessieren, was ich zu sagen hatte? Und wie es scheint, interessiert es viele, was erstaunlich ist. Ich kann immer noch nicht glauben, dass die Leser tatsächlich lesen, was ich schreibe, und einige machen sich auch die Mühe, das Buch zu rezensieren. Gut oder schlecht, das macht nichts, zumindest haben sie starke Gefühle zu dem Buch. Großartig!

Gibt es Pläne für weitere Buchprojekte?

Ostern 2018 wird ein neues Buch in englischer Sprache erscheinen. „The Wight thing“. Es geht um eine Gruppe von Freunden, die das Rentenalter erreicht haben und erwägen, etwas zu kaufen, das groß genug ist, damit sie dort zusammenleben können. Dies wird durch den plötzlichen Tod von Isabells Ehemann ausgelöst. Die Suche beginnt und führt sie zur Isle of Wight an der Südküste Englands. Dies ist die Art von Buch, das Leser in den Urlaub mitnehmen können.

Das klingt gut. Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Ich fördere einen kleinen lokalen Fußballverein, besonders das neue U-15 Mädchen-Team. Obwohl ich Fußball eigentlich nicht besonders mag. (Sag es ihnen nicht). Ich liebe es zu laufen und habe drei London Marathons und einen in New York absolviert. Einen davon sogar mit einer ziemlich anständigen Zeit. Außerdem habe ich angefangen, zu einem Training namens Piloxing zu gehen. Habt ihr schon was davon gehört? Es ist eine Kombination aus Boxen, Pilates und Tanz.

Wow, beeindruckend. Haben Sie ein Lieblingsbuch und wenn ja, warum?

Ja, „Rabbit Proof Fence“ von Doris Pilkington. Es ist eine wahre Geschichte über Kinder, die halb Aborigine halb Australier sind. (Ich bin mir nicht sicher, ob man das so sagen kann.) Bis in die 1960er Jahre beschlossen die australischen Behörden, dass Kinder, die von Aborigines und weißen männlichen Arbeitern gezeugt wurden, in den nächsten Generationen als weiß eingestuft werden können. Also haben sie diese Kinder gestohlen, um sie in Lagern zu „erziehen“. Später arbeiteten die meisten von ihnen schließlich auf Ackerland, wo sie ausgebeutet und missbraucht wurden. Molly, ihre Schwester Grace und ihr Cousine, waren solche Kinder. Angetrieben von Molly, flohen die drei schließlich. Und diese kleinen Mädchen legten in neun Wochen 1600 km entlang des Rabbit Proof Fence zurück um nach Hause zu kommen. Später wurden Molly und ihre eigenen Töchter wieder geholt und noch einmal floh sie, dabei konnte sie aber nur ihre jüngste Tochter tragen und musste die andere zurücklassen. Molly kam aus einem kleinen Ort in Westaustralien namens Jigalong, der heute über 400 Einwohner hat. Wenn Sie jemals die Gelegenheit haben, das Buch zu lesen oder den Film anzusehen, werden Sie es sicher nicht bereuen. Das nächste Mal, wenn ich nach Australien reise (im Jahr 2020), werde ich definitiv die Stadt Jigalong besuchen.

Möchtest Sie ihren Lesern noch etwas mitteilen?

Ich möchte den Lesern dafür danken, dass sie Autoren unterstützt und mir zugehört haben.

Vielen Dank. Ich wünsche Ihnen nur das Beste für Ihre kommenden Bücher und Ihre Zukunft.
Und alle die jetzt neugierig sind, hier findet ihr das Buch auf Amazon.

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