Dienstag, 9. Januar 2018

Buchverfilmung Mord im Orientexpress



Nachdem ich von den Verfilmungen von „Wild – Der große Trip“ und „Der Marsianer“ total enttäuscht war, hatte ich mir eigentlich geschworen, mir einfach keine Buchverfilmung mehr anzusehen. Dementsprechend lange habe ich mit mir gehadert, bevor ich mich letztendlich doch entschied „Mord im Orientexpress“ eine Chance zu geben.

Und ich muss ehrlich sagen, dass ich es nicht bereue. Rein vom technischen Standpunkt betrachtet, war der Film großartig und die Besetzung der Schauspieler war toll. Gut, bei einem derartigen Staraufgebot erwartet man sich ja eigentlich auch Spitzenleistungen, nur selbstverständlich ist dies trotzdem natürlich nicht. Und wer das Buch im Vorfeld noch nicht gelesen hatte, war sicher auch von dem Rätselraten begeistert.

Der Film hält sich überwiegend eng an die Buchvorlage, was ich sehr begrüße, allerdings waren ein paar Szenen dabei, die mir doch ein bisschen sauer aufgestoßen sind. Achtung ab hier kommen Spoiler, wer das Buch oder den Film noch nicht kennt, sollte erst beim Fazit weiterlesen, auch wenn der Mordfall von mir hier nicht aufgelöst wird.

Was war es also was mich gestört hat?
Zuerst wäre da die Tatsache, dass der Zug – anders als im Buch - auf einer meterhohen Brücke zum stehen kommt, denn dieser zusätzlicher Stressfaktor für die Charaktere wäre nicht nötig gewesen. Außerdem wird diese Spannung zwar aufgebaut, dann aber nicht genutzt und verliert dadurch erst recht jeglichen Sinn. Auch die Verfolgungsjagd die hier inszeniert wurde, kommt im Buch nicht vor.


Das fand ich aber bei weitem nicht so tragisch wie die Darstellung des Grafen Andrenyi, was man jedoch keineswegs dem Schauspieler, sondern ausschließlich den Drehbuchautoren anlasten muss. Denn im Buch wird er zwar auch als etwas cholerisch, aber insgesamt als sympathischer Mensch dargestellt, der seine Frau beschützen will. Im Film dagegen ist er regelrecht gewalttätig – so verprügelt er hier einen harmlosen Fotografen und auch Poirot bekommt seine Wut zu spüren.

Seltsam fand ich auch, dass der Charakter des Arztes Dr. Constantine gestrichen wurde und Colonel Arbuthnot zusätzlich zu seiner militärischen Laufbahn auch noch die Rolle des Arztes zugeschrieben wurde. Und vollkommen unverständlich ist es für mich, dass die im Buch schwedische Missionarin hier plötzlich einen spanischen bzw. mexikanischen Namen und Charakter erhält.

Auch die Tatsache, dass das Messer nicht wie im Buch einfach gefunden wird, sondern dass plötzlich eine der verdächtigen Person damit attackiert zu werden scheint, hat mir nicht besonders gefallen. Ebenso wie der Schuss, der auf Poirot abgegeben wird. Hier wurde in typischer Hollywood-Manier künstlich etwas aufgebauscht.


Das Ende des Films fand ich dann grundsätzlich auch wieder ganz gut gemacht. Zwar hätte man sich die Ansprache von Poirot – wie im Buch – eher im Speisewaggon des Zuges gewünscht aber das ist nicht so schlimm. Die zusätzlichen Filmminuten nach dem eigentlichen Buch-Ende, hätten ebenfalls nicht sein müssen, waren dann aber ganz ok.


Mein Fazit

Ohne das Buch vorher gelesen zu haben sicher ein toller Film. Hat man es jedoch erst kürzlich gelesen, sollte man vielleicht doch ein wenig Zeit verstreichen lassen, damit man die Details nicht mehr so genau in Erinnerung hat um den Film auch zu 100% genießen kann. Insgesamt fand ich die Filmadaptierung jedoch bis auf ein paar „Kleinigkeiten“ gut gelungen.


Gesamtbewertung ★★★✰✰

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