Sonntag, 15. Oktober 2017

Good Me Bad Me - Ich bin böse von Ali Land



Inhalt

Die 15-jährige Milly wächst schwer traumatisiert in einer Pflegefamilie auf. Eine neue Identität soll alle Spuren zu ihrer Vergangenheit verwischen. Denn Milly ist die Tochter einer Serienmörderin. Und diese konnte nur gefasst werden, weil Milly der Polizei entscheidende Hinweise gegeben hatte. Jetzt wird ihrer Mutter der Prozess gemacht, und Milly wird plötzlich von Gewissensbissen heimgesucht. In ihrer Pflegefamilie findet das Mädchen keine Unterstützung, um diese schwere Zeit zu überstehen – im Gegenteil: Phoebe, die leibliche Tochter, hasst Milly von ganzem Herzen und versucht mit allen Mitteln, ihr das Leben so schwer wie möglich zu machen. Und damit weckt sie in Milly eine verborgene Seite. Eine böse Seite. Denn Milly ist die Tochter ihrer Mutter ...


Meine Meinung

Dieser psychologische Spannungsroman ist kein Thriller, soviel steht fest. Denn die Handlung beginnt dort, wo die eines Thrillers enden würde. Nach der Verhaftung einer pädophilen Serienmörderin. Man merkt beim Lesen auch schnell, dass die Autorin weiß, worüber sie schreibt. Ali Land studierte Psychologie und ihre Doktorarbeit trägt den Titel „Children Who Kill“.

In diesem Buch wird nichts beschönigt, was jedoch nicht gleichbedeutend damit ist, dass seitenlag blutige Details beschrieben werden. Dies ist nicht der Fall und es ist auch gar nicht nötig. Denn die kurzen Erinnerungsfetzen, die Milly immer wieder heimsuchen, reichen aus, um den Leser spüren zu lassen, welch furchtbare Szenen das Mädchen miterlebt haben muss.

Die Grundstimmung des Romans ist düster und wird durch den Schreibstil in der ich-Perspektive von Milly noch zusätzlich unterstützt. Milly ist innerlich zerrissen, einerseits hasst sie ihre Mutter, andererseits vermisst sie sie auch, wofür sie sich selbst wiederum hasst.

Am Anfang des Buchs kommt Milly nun in eine Pflegefamilie, wo nur die Pflegeeltern Mike und Saskia über ihren Hintergrund Bescheid wissen. Mike ist nicht nur ihr Pflegevater, sondern auch ihr Psychotherapeut und Milly fühlt sich beim im sicher.

Schnell wird jedoch klar, dass Saskia ein Drogen- und Alkoholproblem hat, weil sie mit ihrem Leben überfordert zu sein scheint. Auch ihre neue Ziehschwester Phoebe stellt ein Problem dar. Diese hasst Milly, da ihr Vater nun wieder keine Zeit für sie hat. Diese ungünstige Ausgangslage erschwert Milly zusätzlich ihren permanenten und verzweifelten Kampf mit sich selbst. Ein guter Mensch sein zu sollen, sich in die Familie zu integrieren.

Nach dem Prozess muss Milly dann eine weitere herbe Enttäuschung erleben. Mike teilt ihr mit, dass sie nicht dauerhaft bei ihnen bleiben kann, dass dies nur als Übergangslösung geplant war und dass es bereits eine Familie gibt, die daran interessiert wäre, sie aufzunehmen. Milly fühlt sich betrogen und als sie schließlich auch noch herausfindet, dass Phoebe inzwischen erfahren hat, was es mit ihrer Vergangenheit wirklich auf sich hat und diese auch noch offenbaren will, ist Milly gezwungen zu handeln.

Den Klappentext der deutschen Ausgabe, sowie dessen Titel finde ich nicht besonders gut gewählt, da diese schon ein bestimmtes Ende zu implizieren scheinen, was bei der englischen Originalausgabe mit dem Titel „Good me Bad me forgive me“ nicht der Fall ist. Auch spiegelt der englische Titel sehr passend die innere Zerrissenheit von Milly wieder.


Mein Fazit

Dies ist ein starker Debüt-Roman, der zu fesseln weiß und große Beklemmung beim Leser hervorruft. Hier wird keine einfache Lösung geboten, sondern kompromisslos und voller Ambivalenz ein Ende geboten, dass sonst nur das Leben schreibt.


Gesamtbewertung ★★★★✰

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