Sonntag, 29. Oktober 2017

Die Spionin von Paulo Coelho



Inhalt

Wer ist die Frau hinter dem schillernden Mythos? Paulo Coelho schlüpft in ihre Haut und lässt sie in einem fiktiven, allerletzten Brief aus dem Gefängnis ihr außergewöhnliches Leben selbst erzählen: vom Mädchen Margaretha Zelle aus der holländischen Provinz zur exotischen Tänzerin Mata Hari, die nach ihren eigenen Vorstellungen lebte und liebte und so auf ihre Art zu einer der ersten Feministinnen wurde. Doch als der Erste Weltkrieg ausbricht, lässt sie sich auf ein gefährliches Doppelspiel ein.


Meine Meinung

Coelho schafft es mal wieder mich zu begeistern. Seine Bücher sind so vielseitig wie das Leben selbst und dieses Buch kann locker mit seinen Vorgängern mithalten. Er selbst meinte, dies sei keine Biografie im eigentlichen Sinne und so kann er es sich erlauben, selbst Dialoge einzubauen, die dieser Geschichte daher umso mehr das Gefühl geben, real zu sein. Die Ereignisse beruhen alle auf Tatsachen, nur die Gefühle und Dialoge sind erfunden. Daraus ist ein großartiger Mix geworden, der angenehm zu lesen ist und den Leser trotzdem in die damalige Welt der Mata Hari eintauchen lässt.

Und so erfährt der Leser das Leben der Protagonistin aus deren eigener Sicht durch das Lesen eines fiktiven Briefes, den sie in ihrer letzten Woche vor ihrer Hinrichtung an ihre Tochter verfasst. Darin lässt sie ihr Leben Revue passieren.

Sie wurde im August 1876 in Holland unter dem Namen Margarethe Zelle geboren und heiratete mit 19 einen Kolonialoffizier den sie anschließend nach Indonesien begleitet. Schnell wird jedoch klar, dass er ein Alkoholiker ist, der sie immer wieder demütigt und misshandelt. Nach dem Tod ihres Sohnes kann sie sich von ihrem Mann befreien und taucht in Paris mit ihrem neuen Namen Mata Hari unter. Sie erfindet eine vollkommen neue Biografie und wird erst als Tänzerin berühmt und lässt sich von diversen wichtigen Männern für ihre Dienste entlohnen – der Liebe hat sich jedoch abgeschworen. Als der erste Weltkrieg ausbricht, wird sie in ein gefährliches Spiel – die Spionage verwickelt und schließlich schuldlos des Hochverrats angeklagt, verurteilt und 1917 erschossen.

Schließlich wurde sie durch ihr Leben in Freiheit und relativer Unabhängigkeit zu einer der ersten Feministinnen Europas und dies war auch der wahre Grund für ihre Anklage. In ihrem inneren muss sie eine zutiefst verletzte Frau gewesen sein die trotz aller Rückschläge ihren eigenen Weg gefunden hat und diesen bis zum Ende gelebt hat.

Das Cover zeigt ein Bild von Mata Hari im Profil und passt ausgezeichnet zum Buch. Der Schreibstil ist typisch Coelho, angenehm leicht zu lesen, mit viel Feingefühl verfasst und mit tiefschürfenden Erkenntnissen abgerundet. Scheinbar mühelos haucht er dieser historischen Figur leben ein und lässt sie dadurch für sich selbst sprechen.


Mein Fazit

Eine bewegende Geschichte die auf historischen Tatsachen basiert und die es wert ist gelesen zu werden. Mitreisend und emotional – mit viel Feingefühl geschrieben.


Gesamtbewertung ★★★★✰

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen